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Die Evolution auf dem Teller – Wie sich meine Ernährung geändert hat über die Jahre

Die Evolution auf dem Teller – Wie sich meine Ernährung geändert hat über die Jahre

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Eins gleich vorweg: in diesem Artikel möchte ich nicht über die Vorteile einer steinzeitlich angehauchten Ernährung sprechen – heute geht es mir um die Evolution, die sich im Laufe der Zeit auf meinem ganz persönlichen Teller vollzogen hat.

Die letzten Jahre haben sehr verändert, was ich einkaufe, was ich esse und wie meine Nahrungsmittel zubereitet sind. Es hat sich sogar verändert, wo ich die Lebensmittel einkaufe. Immer wieder kommen Menschen zu mir und meinen, meine Ernährungsweise hätte sich ständig total verändert – und genau darüber möchte ich heute schreiben. Da steht nämlich eine ganz große Frage im Raum:

Was hat sich wirklich geändert?

Die Zeit vor 2007, also damals wo ich noch über 260 kg wog und eben so munter vor mich hin aß, was mir vor der Luke landete, klammere ich in dieser Betrachtung aus. Dass ich mich jetzt nicht mehr von Pasta, Brot und Pizza ernähre oder jeden Tag mit Schokolade und Cola den Abend vor dem Fernseher verbringe, ist ja logisch. Selbst wenn wir dank Professor Lustig, Gary Taubes und vielen weiteren Experten wissen, dass in diesem damaligen Verhalten/Essen nicht die Ursache des Dickwerdens lag ist doch klar, dass sich zum Abnehmen das Leben verändern muss. An dieser Erkenntnis können auch keine Spezialisten auf dem Gebiet des Stoffwechsels etwas verändern. Wenn man tut, was man immer schon getan hat, bekommt man auch nur, was man immer schon bekommen hat.

Mein Teller im Januar 2007 (Abnehmstart)

Geringe Mengen Vollkornbrot
Kleine Mengen Nudeln, Kartoffeln, Reis
Fettarmes Fleisch (wenig)
Fettarmer Fisch (häufig)
Fettarme Milchprodukte (häufig)
Eiweiss (Eigelbe nicht gegessen)
Gemüse
Fettarme Käseaufschnitte / Putenbrust
Kleine abgemessene Menge Süßes am Tag (z.B. 1 Duplo, 1 Milchschnitte…)

–> Ganz zu Beginn startete ich mit einer fettarmen Ernährung mit moderatem Kohlenhydratanteil. Lowfat war ein ganz großes Thema in der Zeit – gleichzeitig war aber auch “Das neue Atkins” damals Trend. Ich wollte mich ausgewogen ernähren – auf das Wort “ausgewogen” komme ich später noch mal zurück. Ich hoffe ich denke dran.

Ich hatte damals häufig Hunger und fand das Essen fad. Irgendwie fühlte sich das richtig an – schließlich glaubte ich am Anfang noch, Abnehmen hätte etwas damit zu tun, leckere Sachen nicht mehr zu essen. Fett ist nun Mal ein Geschmacksträger und trägt ganz stark zur Befriedigung beim Essen bei, die eine wichtige Grundbedingung zum Sattwerden ist. Ich habe sehr trockene Haut bekommen und Kreislaufprobleme. Meine Recherche hatte mich sehr bald in Richtung Lowcarb gebracht weil ich spürte, ich kann das Lowfat nicht mehr lange aushalten. Der Hunger war wirklich richtig schlimm, lebensbeherrschend sozusagen und jeden Tag musste ich mit dem Schweinehund kämpfen. Klar klappt das mal 3 Wochen (nun ja, bei manchen auch nur 3 Tage) aber ich wog 260 Kilo und würde so ungefähr die nächsten 10 Jahre mit Abnehmen verbringen. Könnte ich 10 Jahre lang täglich mit dem Schweinehund kämpfen? No way.

Ich habe intensiv recherchiert, warum ich so hungrig bin obwohl ich mich doch “so gut” ernähre und warum es mir irgendwie schlechter geht vom diäten. Lowcarb winkte mit einer Erlösung –

Mein Teller Ende Februar 2007

Fettarmes Fleisch (häufig)
Fettreicher Fisch (1 x die Woche)
Gemüse (jede Mahlzeit aber wenig wegen der Carbs))
fettarme Milchprodukte (häufiggg)
Eiweissshakes (häufig)

1x Schlemmtag in der Woche

Der nächste Schritt führte mich in eine sehr eiweisslastige Variante der Lowcarb Diät, bei der Fett weiterhin begrenzt blieb. Selbst wenn ich heute weiss, es geht besser – war diese Entscheidung für mich persönlich damals der erste wichtige Schritt in die richtige Richtung. Damals habe ich häufig und regelmässig Lowcarb Süssigkeiten, Süsstoff und andere Kunstprodukte gegessen. Es waren kleine Mengen, das alte Hobby der Maßlosigkeit war durch die gute Sättigung der Eiweiße komplett weg. Ich habe jede Mahlzeit mit Gemüse ausgestattet, damit ich mich nicht so “ungesund” fühlte. Immerhin war ich damals noch stark geprägt von den vielen Jahren – es waren fast zweihalb Jahrzehnte für mich – in denen ich Vollkorn und Gemüse für gesund gepredigt bekam und Fleisch und Fett für ungesund.

Änderungen im Kopf brauchen die meiste Zeit und auch das meiste Vertrauen. Und da ich letzteres nicht hatte, recherchierte ich weiter und wollte wissen, was macht der Körper genau mit welchem Nährstoff, also Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß. Die “neue” Atkinsmethode erschien mir zu drastisch, auch wenn mich die fettreichen Produkte darin reizten, kannte ich nur Menschen die das als Freifahrtsschein für “kein Gemüse, nur Fleisch” genutzt haben und das erschien mir irgendwie nicht das richtige.

Ich baute in diesem Zeitrahmen auch eine ketogene Phase ein von einigen Wochen, die mir vom Fitnessgefühl her gefielt aber mangels Informationsstand hielt ich das damals für ungesund. Ich machte es nur als Kur, habe es gut vertragen und vielleicht damit den wichtigen Schritt in der Reperatur meines Hormonhaushalts von Leptin und Insulin bewerkstelligt, ohne das damals gewusst oder beabsichtigt zu haben. Damals ging es um Fettabbau allein.

Ich landete nach der ketogenen Phase bei LOGI. Das war ungefähr Anfang Mai 2007. Das veränderte meinen Teller eigentlich gar nicht so dramatisch, ergänzte aber die ersten “Spezialprodukte” auf meinem Plan. Ich lernte ganz neue Lebensmittel kennen, zum Beispiel die Kichererbse. Von der hatte ich in der Theorie schon mal gehört aber erst mit Logi ist sie auf meinem Teller gelandet. Von der ungünstigen Wirkung der Hülsenfrüchte habe ich erst Jahre später erfahren, LOGI veränderte meinen Teller also lediglich durch das Ergänzen von Hülsenfrüchten und Tofu. Brot und Nudeln durften nicht zurück, mein Schlemmtag blieb auch an Ort und Stelle.

Mein Teller August 2007

Im August hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, genug zu wissen, um mir meine eigenen Regeln zu machen. Ob Logi, Atkins oder vorher “ausgewogene Standardernährung” – an all den Konzepten passte mir etwas eindeutig nicht. Das war leider immer noch der Geschmack, weil ich weiter auf der “Fett sparsam” Welle geritten bin. Ich traute mich, das zu beenden und fand dann den Kompromiss mit den Fettverbrennungstagen während der Woche, an denen ich kaum Fett zu mir nahm – dafür habe ich an den anderen Tagen Produkte mit normalem Fettanteil gegessen. Außerdem wollte ich nichts mehr wiegen, wie das für LOGI notwendig war und machte dann mein Mess-System mit der Hand klar.

Ich war viel zufriedener und mein Teller sah ab August 2007 dann so aus

Fleisch (3x die Woche, Fettanteil wechselnd)
Fisch (fett, 1x die Woche)
Gemüse (jede Mahlzeit)
Obst (1 Stück am Tag)
Hülsenfrüchte (1-2 x die Woche)
Eier (2-3x die Woche)
Milchprodukte (täglich, häufig zu jeder Mahlzeit)
Eiweißshakes (Whey, MKP , Casein) je nach Anlass und Uhrzeit aber täglich (häufig Frühstückersatz)
Nüsse (täglich eine kleine Hand voll)

Schlemmtag 1 x in der Woche
Fettverbrennungstag (da gabs nur fettarm) 2-3x in der Woche

Ich meldete mich im August im Fitnesscenter an und behielt diese Ernährungsart ganz lange bei, ich glaube bis 2010 ungefähr veränderte sich nicht viel. Ich hatte durch das Erschaffen meines eigenen Plans eine gewisse Zufriedenheit mit den status quo erreicht, das Gewicht schwand stetig langsam vor sich hin, ohne dass ich ständig die Waage brauchte und ich fand ein neues Thema spannend: Training. Ich konzentrierte mich also darauf, über Training etwas zu lernen und ließ die Ernährung eine Weile unrecherchiert.

Irgendwann in 2010 stolperte ich über eine merkwürdige Internetwerbung auf Jon Bensons Diätprogramm. (DAS HIER) Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat – es klang halt irgendwie, als ob er bei mir mein Programm abgeschrieben hat mehr oder weniger. Dem ist natürlich nicht so! Es ist einfach nur relativ ähnlich, was aber auch nicht verwundert: die Prinzipien sind logisch und entstehen einfach automatisch, wenn man sich für ein anwendbares, alltagstaugliches Programm entscheiden will.

Klar, ich hatte nicht so viele Äpfel auf dem Speiseplan wie Jon und er setzte beim Frühstück energischer auf Eiweißshakes. Mein Training war 3 Mal die Woche Krafttraining und 2 Mal die Woche Ausdauertraining – sein Training war täglich etwa 15 Minuten mit hoher Intensität. Es gab also durchaus Unterschiede.

Ich hab dann eine Weile AZTD gemacht, also nach Jons Plänen gelebt, und das funktionierte auch gut. Allerdings habe ich vermisst, beim Frühstück auch mal was anderes als Shake zu essen.

Mein Teller während der AZTD Zeit:

Fleisch (3x die Woche)
Fisch (2-3 x die Woche)
Eiweißshakes (täglich 1-2x)
grünes Gemüse in großen Mengen
Milchprodukte (täglich vor allem Milch für Shakes, Käse zum überbacken)
Hülsenfrüchte (selten 2 x im Monat etwa)
Äpfel (täglich mehrere)
Nüsse (täglich eine Hand voll manchmal zwei; damals Walnüsse)
Anderes Obst (selten, nur Beeren)

Damals lebte ich noch mit Produkten wie Agavendicksaft, Rama Cremefine (Sahneersatz mit pflanzlichem Fett) oder ganz ekelig: Pflanzencreme. Jons “Ultimate Plan” und sein grasgefüttertes Getier ließ mich mit neuen Fragen zurück, die sich zu recherchieren lohnten und ich stieß auf Paleo. Ich war zunächst recht kritisch weil ich mich fragte, woher denn nun genau gewusst wird, was wir vor 10 000 Jahren gegessen haben. Die weitere Recherche gab zahlreiche Antworten und die wichtigste war die, die mich Nachdenken ließ: es ist gar nicht so wichtig zu wissen, was unsere Vorfahren damals genau gegessen haben – also beispielsweise ob da mehr oder weniger Fett im Fleisch war, wieviele Pflanzen (Gemüse) gegessen wurden etc. Es reicht völlig aus zu wissen, was NICHT gegessen worden ist.

Und Titten auf den Tisch: das ist verdammt einfach zu beantworten. Haufenweise Getreide, Milchprodukte, Fertigprodukte aller Art, Laborlebensmittel wie eben Cremefine oder Pflanzencreme, hydrogenisierte Öle, Transfette, künstliche Zusätze etc. lagen definitiv in keiner Steinzeithöhle in der Kochecke. Eingeflogene Bananen , Mangos und Ananas aus einem fernen Kontinent auch nicht. Und ganz sicher lag da kein einziges Gramm getreidegefüttertes oder hormongemästetes Fleisch auf dem Teller. Oder Fische, die in Farmen gehalten und mit Getreide gefüttert werden. Tofu lag dort auch nicht auf dem Teller.

Nur weil etwas einleuchtend ist, heißt es noch lange nicht, dass die Umstellung einfach ist.

Mein erster “Paleo” Annäherungsversuch

Fleisch (etwa 50/50 Supermarkt/Bauer)
Fisch (selten, da keine guten Quellen gefunden)
Eier (Bio Eier Bodenhaltung war zunächst das beste, was ich finden konnte!)
Milchprodukte (Bio vorrangig pasteurisierte Milch für Shakes, Käse, Joghurt 3,5% plain)
Gemüse (80/20 Supermarkt/Bio)
Obst (regionale Beeren, Äpfel, Birnen)
Butter (Kerrygold) später daraus Ghee selbst gemacht
Nüsse (keine Walnüsse mehr wegen zu viel Omega 6, Macadmias neu entdeckt)
Süßkartoffel / Kürbis als gelegentliche Kohlenhydratlieferanten
Whey Shakes

Damit war ich eine ganze Zeit zufrieden. Ich hatte die Milch immer noch drin obwohl sie pasteurisiert und unfermentiert in allen Paleo Richtungen nicht empfohlen wird – ich konnte darauf einfach nicht so zügig verzichten. Genauso haben Whey Shakes auch eher nichts in einer Paleo Ernährung zu suchen. Insgesamt war ich allerdings wieder einige Monate zufrieden mit dieser Ernährungsvariante, ich habe zwar immer mal ein bisschen an den “Schrauben” gespielt , also mal mehr Gemüse und Fett mit weniger Eiweiß kombiniert , dann mal wieder mehr Eiweiß eingebaut oder auch mal mehr Kohlenhydrate (Süßkartoffel usw.) Ich habe außerdem den Schlemmtag behalten.

Ich weiß, dass innerhalb meiner Paleo Phase immer wieder der Eindruck entstand, ich würde etwas entscheidenes verändern oder ganz was anderes machen. Aber mal ernsthaft: ist es wirklich ganz was anderes wenn ich mal ne Weile mehr Gemüse und Fett statt Eiweiß esse, dann mal wieder mehr Eiweiß? Letztenendes hat sich am beständigen Lowcarb über die Jahre mal der Fettanteil verändert und en detail das eine oder andere Produkt aber die grobe Zusammenstellung ist geblieben.

Im April 2012 hab ich mich auf ein Experiment eingelassen, dass ich lieber hätte lassen sollen. Ich hatte im Laufe der Zeit so viele Anfragen dazu bekommen, ob Schlank im Schlaf gut ist, dass ich es einfach ausprobieren wollte. Ich bin nicht der Fan davon, etwas rein geistig zu bewerten – ich hatte es für risikolos gehalten, das Programm auszuprobieren. Ich bin also mitten aus einem gepflegten Paleo in eine Art “Anti Paleo” gefallen. Für mein Gewicht damals standen 4 Brötchen als Frühstück auf dem Plan lecker mit Marmelade und Butter oder Nutella. Mittags gabs ein Gericht mit moderatem Kohlenhydratanteil und abends gab es das übliche Lowcarb. Eigentlich war das gar nicht so unlecker. Ich hab auch ein paar Zentimeter gelassen , dafür hab ich aber auch Pickel gekriegt, brüchige Nägel, trockene Haut und entzündete Nagelhaut, ohne dass ich mich verletzt hatte. Es ging mir mit jedem Tag schlechter, ich dachte erst, ich sei einfach nur krank. Also hab das gar nicht auf die Diät geschoben. Eine Depression machte sich breit, ich fühlte mich zum ersten Mal seit einer ganzen Weile antriebslos. Matt.

Heute weiß ich, dass es durch die vielen Brötchen (Kohlenhydrate) bei mir zur Rückkehr von Insulin- und Leptinproblemen kam, was genau diese Symptome auslöst. Antriebslosigkeit, keine Lust zum Sport, Hunger. Das Gehirn denkt, es verhungert weil die Signale nicht mehr ankommen, wie es sein sollte.

Ich beendete das Experiment, weil es mir nicht gut ging. Es dauerte eine ganze Weile, um den Schleier der Depression wieder zu lüften, es waren sicher 6 Wochen, in denen ich mich gar nicht wie ich fühlte. Ich nahm mir Zeit viel zu lesen, mich zu entspannen – und tauchte dabei gleich tiefer in die Paleo Welt ein.

Erfrischt mit viel neuem Input wechselte ich ein paar Produkte aus der “alten” Liste aus. Ich legte noch mehr Wert auf die Qualität der Produkte und fand einen Bauern, bei dem ich Freiland Rind (Black Angus) kaufen kann, außerdem Freilandeier und Rohmilch. Ich wechselte zu hochwertigen Milchprodukten (Rohmilch) aus denen ich selbst dann Joghurt zubereitet habe (also auch noch fermentiert). Ich reduzierte meine Hähnchenfleisch Konsum, nahm Leber mit auf den Speiseplan (Herz hab ich versucht, krieg ich nicht runter) und begann damit, mein Mineralwasser in Glasflaschen zu kaufen. Ich wechselte auf ein Eiweißshake von gradfressenden Kühen, dass kalt zubereitet wurde. Das ist teuer aber Shakes kamen selten auf den Tisch, nur wenn keine Zeit war. (DIESES SHAKE HAB ICH aktuell, DIESES war auch toll wollte aber mal ein günstigeres probieren. Der Geschmack vom teureren ist besser, definitiv. Aber das andere ist auch gut.) Süßkartoffeln und Kürbis gab es bei mir besonders selten, obwohl ich mittlerweile von der Lebensmittelauswahl orientiert war an der “Perfect health diet” – jedoch hatte ich zu dem Zeitpunkt schon gelernt, dass es für mich keine “safe starches” also sichere Stärkelieferanten gab.

Ich wusste, ich vertrage die Kohlenhydrate aus irgendeinem Grund nicht (den ich erst ein Jahr später erfahren sollte). Deshalb habe ich da auch schon sehr knapp mit Carbs gegessen, der Schlemmtag war noch da allerdings mittlerweile auf eine Mahlzeit begrenzt, nicht auf den ganzen Tag.

Ich habe weiter konstant abgenommen, zwar langsam aber es dröppelte vor sich hin, ich wog mich wie immer selten. Es gab keinen Anlass etwas zu verändern – und auch hier noch mal aufgepasst: egal welche Aktionen wir gemacht haben, das darunter liegende Verhältnis der Nährstoffe zueinander war gar nicht so dramatisch verschieden.

Durch Medikamente hat sich im Frühjahr 2013 ein Drama für mich persönlich ereignet: ohne veränderte Essgewohnheiten habe ich statt abzunehmen plötzlich 24 Kilo mehr auf der Waage gehabt, noch dazu fast alles am Bauch. Ich habe das “Zunehmen” schon mit einer Zunahme von 13 Kilo bemerkt gehabt und dann angefangen, meine Kalorien zu zählen und mich auf 1500 kcal am Tag zu begrenzen. Das Gewicht kletterte weiter hoch. Ich konnte nichts tun, außer zusehen und doof gucken – innerhalb von 8 Wochen waren 24 Kilo drauf.

Auf der Suche nach Lösungen fand ich Antworten, die für uns alle von großer Wichtigkeit waren. Und nebenbei meinen Weg zurück in die ketogene Phase, denn wie sich herausstellte, hatten die Medikamente meine Hormone verschoben und das führte dazu, dass ich schlapp war und zunahm auch mit unterkalorischer Ernährung. Nur Ketose über etwa 6-8 Wochen konnte mich da zuverlässig wieder raus hauen.

Mein Teller in der ketogenen Phase (max. 25g Kohlenhydrate/Tag)

Fleisch (grasgefüttertes Rind und Lamm)
Fisch (selten, fetter Fisch oder Sardinen in Öl)
Eier (Freilandeier)
grünes Gemüse (viel)
buntes Gemüse außer Nachtschattengewächse (wenig)
Kerrygold Butter, Ghee, virgines Kokosöl, MCT ÖL, Olivenöl, Avocados (viel)
Mandeln (moderate Menge)
Macadamia Nüsse
Lebertran (wenig, in Kapselform DIESEN)

70-90% meines täglichen Essens besteht aus Fett. Ich rechne das nicht ständig aus weil der Genuss im Vordergrund steht, aber letztenendes kann man diese ketogene Form meiner Paleo Ernährung auch als Low Carb High Fat bezeichnen. Die Rohmilchprodukte sind nun auch vom Speiseplan geflogen, als Ferment gibt es Sauerkraut regelmäßig und Probiotika.

Außerdem befindet sich Obst nur in Form von Beeren auf meinem Speiseplan und das auch höchstens 1x die Woche begraben unter “Get some” Eiscreme (milchfrei) bzw. zusammen mit viel Fett. Obst ist kein Verlust – falls sich jetzt jemand Sorgen über Vitamine etc. macht. In Gemüse ist genauso viel drin nur ohne den Zucker.

Schlemmtag ist abgeschafft, bzw. im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr diese Tage, an denen ich “normale” Sachen esse wie Pizza. Ich vermisse das zur Zeit auch nicht. Meine Schlemmtage heißen jetzt, ich mach mir dann mal ein Keto-Leckerchen wie Kuchen aber eben nach ketogenen Rezepturen und erlaube mir dafür dann Xucker Light (Süßungsmittel) zu benutzen.

Das wirkt für Außenstehende irgendwie extrem – und es ist sicher auch nicht für jeden gesundheitlich ideal. Die Monate in tiefer Ketose haben jedoch für mich eine Menge geändert. Ich habe in drei Monaten 18 von den 24 Kilos wieder runter. In so kurzer Zeit habe ich damit im Leben nicht gerechnet. Ich bin jeden Tag rund um die Uhr satt, zufrieden und fit. Es fühlt sich einfach gut an und zusätzlich bin ich scheinbar immun gegen Ansteckung mit Grippe und Durchfall trotz engem Kontakts. Meine Blutwerte sind ideal und die Hormone wieder alle in der Reihe. Daran sehe ich, dass für mich diese Ernährung in meiner momentanen Lebensphase genau das richtige ist.

Wie mein Teller in einem halben Jahr aussehen wird oder in einem Jahr, das weiß ich nicht. Das Leben ändert sich und mit ihm die Anforderungen an die Ernährung für den jeweiligen Lebensabschnitt.

Ich habe diesen Artikel mit einem groben Verlauf meiner Veränderungen für all jene geschrieben, die glauben, man würde eines Tages den einen heiligen Gral der Ernährung finden und damit dann ewig glücklich leben. Vielleicht gibt es wirklich jemanden, der dieses Glück hat – für die meisten von uns heißt es jedoch, sich mit dem veränderlichen Leben mit zu bewegen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Dieser Artikel betont auch noch mal, dass die wirklichen Änderungen meistens klein sind. Zwischen Lowcarb und ketogener Ernährung liegen im Zweifel 20 g Kohlenhydrate am Tag – größer ist der Unterschied nicht. Zwischen Paleo und Lowcarb liegt der Unterschied im Anspruch an die Qualität der Lebensmittel und ihrer Ursprünglichkeit – genau so siehts bei LOGI und Paleo aus. Der Unterschied zwischen AZTD und Flatrate Diet ist klein, da gehts um Rührei morgens oder doch lieber ein Shake? Drei Äpfel oder doch nur einen am Tag? Genau vor Augen geführt gibt es keine wirklich dramatischen Veränderungen in den ganzen Jahren, die einzige von “ausgewogener Standardernährung” hin zu Lowcarb war eine wirkliche Veränderung und die fand im geheimen Kämmerlein statt (bin erst seit 2009 bei Youtube). Danach hat sich immer mal wieder das “Fein-Tuning” geändert – doch die große Überschrift “Low Carb” ist nicht weg zu zaubern.

Last but not least: ich finde es ist sehr schön zu sehen, dass Rom nicht in einem Tag erbaut wurde. Also das manche Veränderungen ihre Zeit brauchen – und der Verlauf eher schrittweise stattfindet. Ich bin nicht aus dem “Stand” hinein in eine saubere Paleo Ernährung mit ketogener Ausrichtung gehopst sondern habe eine Entwicklung über mehrere Jahre hinter mir, die mich an diesen Punkt gebracht hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis für alle Neueinsteiger: erlaubt Euch die Zeit, Euch an Dinge heran zu tasten und erwartet nicht von einem auf den anderen Tag, alles optimal hin zu kriegen. So, der super lange Artikel ist jetzt mal zuende.

 

Viele liebe Grüße

Anne

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3 Comments

  1. Eva-Maria

    Liebe Anne,
    herzlichen Dank für diese ausführliche Schilderung! Sie hilft mir sehr, meinen Weg zu finden und ihn auch zu gehen. Du bist eine wunderbare Inspiration!
    Alles Liebe, Eva-Maria

    Antworten
  2. S. BRETSCHNEIDER

    Wirklich ein super Artikel….. In einer Art und Weise geschrieben, die einen sehr fesseln. Ich hätte noch mehr lesen können 😁. Vielen Dank

    Antworten
  3. Neely

    Wow! Klasse was du geschafft hast 🙂
    Das du deine Mahlzeiten so ausführlich aufgelistet hast, finde ich klasse. Da kann man auch einiges von mit nehmen.
    Sehr authentisch *daumen hoch*

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Ich bin Anne Engel aka Bella Lamour. Ich blogge und youtube über das Abnehmen, Beauty und Bücher. 2007 habe ich mehr als 260 Kilo gewogen und habe mich seit damals mehr als halbiert! Im Netz teile ich meine Erfahrungen und versuche, anderen Abnehmverrückten bei ihrem Weg zu helfen. Unter dem Pseudonym Bella Lamour veröffentliche ich spannende und erotische Romane, die sich häufig unter den Amazon Bestsellern tummeln.

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