Select Page

Über Sport vor dem Frühstück, Intermittet Fasting & Leptin Resistenz

Über Sport vor dem Frühstück, Intermittet Fasting & Leptin Resistenz

Flattr this!

Sport auf leeren Magen, ein Workout vor dem Frühstück – wird sehr häufig als ideale Möglichkeit zum Abnehmen gesehen und ist gerade auf Sportseiten weit verbreitet. Zu diesem Thema kommen öfter Mal Fragen und die Antwort ist auch gar nicht so einfach pauschal zu geben. Es existieren verschiedene Meinungen zur Wirksamkeit und Wirkung von Sport auf leeren Magen – und leider wird nicht unterschieden, was für wen und wann gut ist.

Ich möchte Euch meine Erfahrung mit Workout vor dem Frühstück oder sogar ganz ohne Frühstück an dem Tag erzählen und auch intermittet fasting kommt nicht zu kurz.

Lesen macht schlank(er). Ohne die viele Recherche wäre ich ohne Magen-Op etc. sicher nicht so weit gekommen, wie ich es bin. Lest alles, was ihr kriegen könnt ist mein Tipp.

Lesen macht schlank(er). Ohne die viele Recherche wäre ich ohne Magen-Op etc. sicher nicht so weit gekommen, wie ich es bin. Lest alles, was ihr kriegen könnt ist mein Tipp.

 

 

Die Anfänge

Zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert wurde ich irgendwann im Frühjahr 2007, als ich mich mit meinen 260 Kilo auf den Weg zum gesünderen Ich machte. Damals wollte ich nach den ersten Abnehmerfolgen endlich mit Sport anfangen. Ich hatte mich für Schwimmen entschieden, weil ich mit immer noch gut über 200 Kilo die Belastung meiner Gelenke gering halten wollte. Ein Schwimmbad in der Nähe meines damaligen Arbeitsplatzes hatte Frühschwimmzeiten von 6-8 Uhr und so entschied ich mich, vor der Arbeit (Schichtbeginn 8.30 Uhr) loszulegen und ein Stündchen zu schwimmen.

Die Frage, ob ich vorher oder nachher frühstücken sollte, war dann nach einiger Recherche nicht unbedingt einfacher geworden. Schwimmen ohne Frühstück versprach mehr Fettverlust erschien mir aber ein Kreislaufrisiko (immerhin hatte ich etwa 15 Jahre ohne Sport hinter mir…), schwimmen mit richtigen Frühstück erschien mir auch nicht ideal – ich wollte ja nicht ins Wasser kotzen. Die Antworten im Internet aber auch beim Arzt verwirrten mich mehr, als ich es nützlich fand. Meine Entscheidung damals war, dass ich nicht frühstücke aber dafür auf der etwa 30 Kilometer weiten Fahrt bis nach Dortmund eine kleine Flasche isotonischen Sportdrink trinke, der auch ein paar Kohlenhydrate enthält. Aus heutiger Sicht war das jetzt nicht die schlauste Idee, so einen Fertigpansch zu trinken aber es war meine Lösung. Mein Verständnis für ketogene Ernährung / Lowcarb steckte damals auch in den Anfängen und ich glaubte damals noch jenen, die meinten, Muskeln und Gehirn brauchen unbedingt und auf jedenfall Kohlenhydrate, um zu funktionieren.

Fakt ist, mit den etwa 75 Kalorien aus der 500 ml Flasche hatte ich meinen Kopf ausgetrickst, eine Stunde zu schwimmen mit dem Gefühl, dass ich dadurch diese Leistung schaffen konnte. Eine Stunde relativ gemächliches Schwimmen erscheint mir heute nicht gerade viel – damals war es alles, was ich schaffen konnte und ich war verdammt stolz drauf! Ich habe dann um 9 Uhr mit den Kollegen auf der Arbeit mein damaliges Frühstück verspeist, dass aus einem 500 ml Joghurt (3,5% Weihnenstefan) , einer Hand voll Blaubeeren und einer geizigen Hand voll Walnüssen bestand und war zufrieden mit mir. Ich hatte damals den Eindruck, schwimmen mit nur so nem Sportdrink vorher wäre wie Schwimmen ohne Frühstück. Heute weiß ich, die Kohlenhydrate in dem Getränk waren wie Frühstück – in Bezug auf die hormonelle Reaktion meines Körpers. Abgenommen habe ich aber weiter konstant, ich kam also zunächst nicht in die Situation, meine Vorgehensweise zu überdenken. Im Gegenteil, nach dem ich morgens immer leistungsfähiger wurde um umstieg auf Wiederstandstraining mit Hilfsmitteln im Wasser und meinen Zeitrahmen erweiterte, gönnte ich mir vorher im Auto sogar vor dem Sport eine Milchschnitte (manchmal zwei 🙂 . Heute wäre das für mich ein No Go (für mich persönlich, nicht allgemein)  – und dennoch: abnehmen hat weiter funktioniert.

John kommt dazu

Eine ganze Weile später fand ich John (dieses Programm) und wurde da erneut mit der Idee konfrontiert, das Frühstück erst nach dem Workout zu essen. Also in diesem Sinne “richtig” – d.h. ohne vorher mit Sportgetränken oder sportlich beworbenen Süßigkeiten (Milchschnitte) das System eigentlich zu betrügen. Ich habe dann also mein Workout mehrmals die Woche vor dem Frühstück erledigt und was soll ich sagen: abnehmen hat ebenfalls funktioniert. Es ging nicht schneller oder langsamer als sonst – ich hatte da ja schon ne Menge runter und irgendwann wird der Gewichtsverlust träger – ich habe halt keinen großen Unterschied in Bezug auf den messbaren Erfolg in Zentimetern festgestellt. Dafür brachte mir das Workout vor dem Frühstück eine andere Erkenntnis: ich mag es. Es liegt mir. Es fühlt sich gut an. Wenn ich einen Tag mit dem Sonnenaufgang gestartet habe und dann gleich mit meinem Hund den frühen morgen draussen in aller Stille nutzen konnte, vielleicht noch mit etwas Krafttraining kombiniert, dann ist das ein guter Tag. Ich habe morgens ganz ohne Frühstück normal gute Leistungen erbracht und auch danach keine Probleme gehabt, die nächste Mahlzeit noch bis um 12 oder 14 Uhr hinaus zu schieben.

Was ich damals noch nicht bewusst erkannte: mit diesen langen Fastenzeiten verließ ich das reine Konzept des “Workouts vor dem Frühstück” und landete im Bereich des “intermittet fasting” (kurzzeitiges Fasten zwischendurch z.B. tageweise, bzw. Essen nur in kurzen Zeitfenstern von 4-8 Stunden usw.). Die Fastenperiode begann meist zwischen 18 und 19 Uhr und endete zwischen 12 und 14 Uhr am Folgetag, ein morgendliches Workout inklusive. Habe ich in dieser Zeit mehr abgenommen? Nein. Eher im gegenteil, wobei ich das Gewicht dabei nicht festlegen kann sondern damals ausschließlich das Zentimetermaß benutzte . Ich schrumpfte halt trotz intensivster Bemühungen kaum. Ich hielt das nicht für eine Aussage, dass mein “nicht essen” ein Problem sei sondern für einen einfachen Fakt, dass Du irgendwann nach über 100 Kilo Gewichtsverlust einfach zwangsweise einen Stillstand erreichst. Mir gefiel mein Leben, also der Sport, die Ernährung – es war keine Bürde oder etwas zum Durchhalten – deshalb störte es mich nicht, dass ich jeden Zentimeter wahnsinnig hart abwarten musste (war mehr ne Geduldsfrage, keine Frage der Anstrengung im eigentlichen Sinne).

Jetzt wird es steinzeitlich

Eine Weile später habe ich dann Paleo gefunden und damit auch das Prinzip des “intermittet fasting” bewusst in meinem Leben wahrgenommen. Das Thema Gewichtsverlust interessierte mich da bereits viel weniger. Ich wusste, es geht langsam voran – aber es geht voran. Mich interessierte beim “intermitted fasting” besonders der Gesundheitsaspekt. Über Nacht beginnt im Körper ein Prozess, in dem defekte / aufgebrauchte Eiweiße im Körper abgebaut werden. Er repariert sich selbst und sorgt so dafür, das wir gesund bleiben und gut funktionieren, wenn man unseren Körper mal als Maschine ansieht. Wer also vor dem Zubettgehen darauf achtet, mindestens 4-5 Stunden nichts zu essen (und logisch: auch auf alle kalorienhaltigen Getränke verzichtet) , landet im Idealfall in diesem Zustand und kann diesen durch die angeschlossene Fastenperiode weiter ausweiten, um diesen Reperaturmodus weiter in Gang zu halten. Soweit die Theorie. Ich habe mich während der IM immer leistungsfähig gefühlt und es bekommt mir gefühlt gut. Die Frage des “Workouts auf leeren Magen” war nicht tatsächlich ein Gegenstand von IM sondern mehr oder weniger eine logische Konsequenz. Wenn ich morgens Sport mache, mache ich das auf leeren Magen.

Auf der Suche nach weiteren Quellen zum Thema landete ich bei Martin von Leangains (englische Seite) und schaute mir sein Protokoll an. Unter anderem setzt Martin auf BCAA vor den Trainings in der Fastenperiode des Tages (Leangains Protocol) , die Fastenphase liegt so, dass das Frühstück weg fällt. Übrigens sind BCAA so im Bereich meiner Aufmerksamkeit in Zusammenhang mit Fasten gelandet. Setze ich sie heute noch häufig ein? Momentan nicht wirklich, weil ich zur Zeit nur zuhause trainiere und kein Maximalkraft Training mache (dazu später mehr). Ab August gehts wieder los, dann werde ich BCAA einsetzen. Wenn auch nicht am morgen. Die durchaus sehr unterschiedlichen Erfolgserlebnisse der vielen Ladys, die in unseren Fastenaktionen mitgemacht haben, haben mich immer weiter suchen lassen nach dem Grund für diese Unterschiedlichkeit. Ich wurde fündig.

Martins Protokol finde ich für Männer prima (anderes Hormonsystem, andere Reaktion auf die Reize), für Frauen dann okay, wenn keine akute Leptinresistenz (mehr) vorliegt. Genau um dieses Phänomen der Leptinresistenz entwickelt sich auch das “Problem” mit dem Fasten am Morgen, weil dadurch eine für jemanden mit einer Leptinresistenz wichtige Hormon-Reaktionskette unterbrochen wird. Zum besseren Verstädniss gibts einen knappen Exkurs …

Leptinresistenz – was ist das eigentlich?

Die Hormone Leptin und Ghrelin sollten uns Dickerchen allen etwas sagen, google das mal genauer, wenn Du es nicht kennst. Hier zum kurzen Verständnis jeweils Auszüge aus Wiki ” (…) Leptin hemmt das Auftreten von Hungergefühlen und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Fettstoffwechsels von Menschen und anderen Säugern. (…) Hoffnungen, dass Leptin sich als wirkungsvolles appetitzügelndes Medikament erweisen könnte, haben sich zunächst zerschlagen, als man feststellte, dass die meisten fettleibigen Menschen hohe Spiegel dieses Hormons aufweisen. Diese häufig hungrigen Patienten weisen keinen Mangel an Leptin (Leptin-Defizienz) auf, sondern leiden vielmehr an einer sogenannten Leptin-Resistenz. In diesem Zustand unterbleibt die physiologische Wirkung des Leptins auf die Zielneuronen. Der zugrunde liegende Mechanismus ist noch nicht aufgeklärt.”  und Ghrelin (…) “Ghrelin ist ein Hormon, das die Nahrungsaufnahme und die Sekretion von Wachstumshormon reguliert. Möglicherweise spielt es eine Rolle bei der Entstehung von Adipositas. In Hungerphasen steigt der Ghrelinspiegel im Blut an, nach dem Essen sinkt er ab. Schlafmangel induziert erhöhte Ghrelin-Ausschüttung und trägt auf diese Weise vermutlich zur Entwicklung der Adipositas bei.[2]” Siehe auch: Weitere Hormone, die das Hunger- bzw. Sättigungsgefühl steuern sind neben Ghrelin auch Leptin und Cortisol.[3]

Kurz und knapp in meinen Worten ist Leptin-Resistenz die Unfähigkeit des Gehirns, das “Wir haben genug Energie, wir sind satt” Signal vom Leptin richtig zu verstehen. Daraus resultiert, dass noch mehr Leptin ausgestoßen wird. Das ist vergleichbar damit, wenn Du in einem vollen Klassenraum was sagen willst, dann fängst Du irgendwann an zu schreien, um gehört zu werden. Und jetzt stell Dir vor, der Lehrer ist gerade taub, weil er Kopfhörer auf hat und laut Heavy Metal hört… Du schreist immer lauter, doch nichts kommt an.  Das bedeutet zurück auf die Leptinresistenz praktisch gesehen, wir bleiben hungrig – auch dann, wenn wir beispielsweise wie in meinem Fall noch auf Kiloweise Fettvorräten sitzt, die locker ein paar Monate reichen würden. Der Körper hört dieses Signal nicht.

Es ist also vor dem Nachdenken über Intermittet Fasting oder Workout vor dem Frühstück sehr wichtig, diese eine Frage zu beantworten: bin ich leptin-sensitiv oder bin ich resistent? Dr. Jack Kruse ist in diesem Bereich der wohl führende Experte und hilft bei der Beantwortung dieser Frage auf eine einfache Weise. Du bist wahrscheinlich leptin-resistent wenn Du

  • – Mehr als 30 Pfund Übergewicht hast

  • – mehr als 20 Pfund Untergewicht hast (das finde ich relativ wichtig zu wissen, Resistenzen können schlanke und dicke Menschen haben!)

  • – im Blutbild: erhöhter HS-CRP Wert und erhöhter reverse T3

  •              – niedriger HDL Cholesterin Wert
  •             – Nüchtern Blutzucker von 88 oder höher
  • – starkes Verlangen nach Kohlenhydraten, Milchprodukten, ständiges Suchen nach Snacks, sehr großen Appetit, kein Hunger am Morgen (deshalb kein Frühstück am morgen)

     

Es gibt weitere Tests (zum Beispiel Cortisol Speicheltest etc.) die Dr. Kruse empfiehlt, bitte lies dazu am besten sein Buch (Epi Paleo RX)  oder seine Website (dort ist ohne das Buch vieles sehr schwer zu verstehen; er richtet sich teilweise wohl an Fachleute oder Geeks).

 

Leptin-Resistenz ist letztenendes der Grund, warum das Körpergewicht aus den Fugen gerät und warum es so schwer fällt, etwas dagegen zu tun wenn man nicht weiß, was das “richtige” ist. Empfehlungen gibt es ja tausende da draußen. Immerhin habe ich eine ganze Menge abgenommen, ohne “Leptinresistenz” überhaupt zu kennen. Nur um festzustellen: autsch, ich bin ja resistent. Ich habe immer noch mehr als 30 Pfund Übergewicht und habe zum Beispiel nach einem Ausrutscher in den Welt der Süßigkeiten oder Kohlenhydrate teilweise mehrere Tage lang extremes Verlangen nach weiteren Kohlenhydraten, Milchprodukte sind meine nemesis wie ihr wisst und ich hatte jahrelang keinen Hunger am morgen. Durch meine Ernährung (moderat Lowcarb bis Ketogen, phasenweise schwankend.) und den Sport habe ich sicherlich meine Leptin-Resistenz deutlich verkleinert – jedoch beseitigt habe ich sie nie, weil ich nicht verstanden habe, welche Hormonreaktionen notwendig sind, um beispielsweise morgens ohne Wecker einfach nur vom natürlichen Cortisolanstieg aufzuwachen, tatsächlich Hunger zu haben. Ich hatte keine Ahnung davon, was passiert, wenn ich dann einfach nicht esse morgens. Oder eben was passiert, wenn ich esse. Ich hatte keine Ahnung, dass ich durch mein Fasten am morgen in Zusammenhang mit Sport meine Leptin-Resistenz am verschwinden gehindert habe.

Ich möchte mich nie wieder so extrem hungrig fühlen, wie damals vor 2007.

Ich möchte mich nie wieder so extrem hungrig fühlen, wie damals vor 2007.

Klar, wenn ich an 2007 denke und wie hungrig ich als Oberdickie immer war, wenn ich mich erinnere, schon 2 Stunden nach dem Frühstück wieder hungrig gewesen zu sein, wenn ich mich erinnere, damals als “Abnehmprogramm” 7 kleine Mahlzeiten über den Tag gegessen zu haben – dann sehe ich eine deutliche Verbesserung auch mit dem nicht ganz Leptin-optimierten Verhalten des “morgens nicht essen” gefolgt von “Jetzt hab ich Lust auf Sport”.

 

Schließt sich hier der Kreis?

Ich habe deshalb nach der gewaltigen Zunahme durch die Tabletten wieder auf eine ketogene Diät gesetzt – mit Erfolg – aber dieses Mal darauf geachtet, meinen Biorhytmus der Hormone nicht durcheinander zu pfeifen. Es war ja gewissermaßen ein kleiner Neustart und diesen habe ich mit Dr. Kruses Leptin RX als Grundlage gemacht. Das Wort “Grundlage” ist dabei sehr wichtig, denn nach ein paar kurzen Versuchen seiner Idee, morgens innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen 50-75 g Protein zu essen, habe ich mich zu meinem Fettbetonten Frühstück zurück entschieden. 50 g Protein klingt erst Mal nicht viel – gemeint ist allerdings nicht zum Beispiel 50 g Hähnchenbrust sondern 50 g Protein, das sind dann bei etwa 21 g pro 100 g Hähnchen etwa 250 g Hähnchen morgens mindestens. Krieg ich nicht runter, tut mir leid. 6 Eier krieg ich auch nicht runter. Und als deutlich Übergewichtiger sollte ich ehr bei den 75 g anfangen, geht schon gar nicht. Mir ist dann den ganzen Tag schlecht und der Lepin RX empfiehlt anfangs 3 Mahlzeiten am Tag. Das stresst mich dann nur, wenn ich vom Frühstück um 6 Uhr um 12.30 Uhr immer noch voll bin , wie eine Haubitze und schon wieder essen soll. Wenn ich mein “big ass breakfast” wie Dr. Kruse es nennt, eher auf Basis von Kokosöl , Butter und Co. abhalte kombiniert mit etwas Eiweiß und einem geringen Kohlenhydratanteil (etwa 10-12 g morgens) , dann geht es mir prima , ich fühle mich nicht zu voll und alles ist gut.

Es war schwer für mich, auf mein Workout vor dem Frühstück zu verzichten – und während des Leptin resets darf ich auch nach dem Frühstück kein Workout. Das war komisch, nur so ganz seicht Gassi zu gehen – ich meine mein Hund muss, egal welches Training, welche Krankheit oder welche Hormonkorrektur ich gerade vornehme. Auch hartes Workout generell sollte komplett gestrichen werden. Ernährung ist einfach Paleo, also clean eating oder whole 30 like. Milch hab ich ja trotzdem in sehr moderaten Miniportionen mit eingeschlichen. 3 Mahlzeiten am Tag (bzw. zwei, sobald die Sättigung ausreicht – wenn man mag.) Jetzt ein paar Wochen später bin ich ja nicht nur viel leichter, ob nun dank ketogener Ernährung allein oder der Anpassung meiner Hormonreaktionen durch die richtigen Zeiten für Ernährung, Sport und Schlaf. Ich habe meine Hormone testen lassen, weil man daran am ehesten sieht, ob wieder alles im Lot ist. Die Östrogendominanz ist verschwunden, Progesteronwerte sind wieder normal, DHEA ist wieder normal, Testosteron ist in einen gesünderen Bereich gestiegen) war vorher sehr niedrig. Der CRP Wert war bei mir vorher niedrig, er ist nun bei 1.3 was ultra niedrig ist. Nice.

Außerdem habe ich morgens Hunger, schon eine ganze Weile. Ich kannte das Prinzip gar nicht. Auch tagsüber bekomme ich jetzt Hunger, also ich meine keine Fresslust, bei der ich anfange, das Haus nach Essen abzusuchen: ganz einfachen Hunger, der mir erlaubt, eine vernünftige Mahlzeit zu kochen, mit der ich dann wieder über viele Stunden zufrieden bin. Ich habe weitere Zeichen, dass mein Körper nun Leptin-Sensitiv geworden ist – zum Beispiel komplettes Fehlen von Hunger auf Süßkram, Kohlenhydrate – sogar der Milchverzicht fällt mir leicht. Die Blutwerte sind halt bisschen öde bei mir, weil die vorher auch nicht schlecht waren, also HDL war schon immer hoch genug, Schilddrüsenwerte sind alle gut. Die gute Nachricht: sobald man Leptin Sensitiv ist, darf auch Intermittet Fasting wieder auf dem Plan stehen. Da ich morgens auch während des Resets eher auf Fett als auf Protein vertraut habe, bin ich mir sicher, ich kann mit Butterkaffee auch morgens wieder meinen Sport vor der ersten richtigen Mahlzeit Mittags machen, ohne meine Hormone zu verwirren. Sicher bin ich nicht, ich werde also genau gucken müssen, ob der morgendliche Hunger bestehen bleibt, ob ich nachts super schlafe, morgens automatisch in Abhängigkeit des Sonnenaufgangs aufwache (ja das funktioniert auch bei total abgedunkeltem Raum…) usw.

Fazit:  Ob Sport vor dem Frühstück oder intermittet fasting für Dich gut ist – und in welcher Weise, das kann ich Dir pauschal auch nicht sagen. Die zahlreichen Antworten, die Du vom Internet, von Ärzten, von Experten, aus Büchern usw. finden kannst, haben irgendwie alle ihre Berechtigung. Meine Erfahrungen hast Du nun gelesen, ich mochte den Sport vor dem Frühstück gern, kann aber nicht 100% sagen ob er gut oder hinderlich auf meinem Weg war. Ich würde sagen, beides war mir angenehm. Ich denke es ist hier genauso wie mit allen anderen Dingen: Du musst einfach gucken, was Dir gut tut und dabei offen bleiben für neue Informationen. Es gibt nichts schlimmeres, als sich total festzufahren geistig. Manchmal braucht es einfach nur eine Änderung (gewissermaßen irgendeine), um den Ball wieder ans Rollen zu kriegen und das klappt nur bei denen, die immer einen offenen Geist bewahren. Das wünsche ich Euch allen, einen offenen Geist – ich wünsche Euch, dass ihr genau wie ich Eure Faszination darin findet, mehr von Eurer Gesundheit zu verstehen um zum Beispiel Euer Übergewicht oder welche gesundheitliche Veränderung ihr sonst gern hättet, selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Weg ist weit, ganz oft mir Verwirrungen verbunden und doch macht er immer wieder glücklich, während man ihn geht. Auch wenn ich immer für ein starkes , realistisches Ziel plädiere – es schadet nichts, den Weg an sich auch anzunehmen und ihn nicht hasten und hetzen zu wollen, sondern ihn wirklich bewusst zu gehen. Jeden Tag, manchmal geht es auch einen Schritt zurück, dann geht es wieder vorwärts. Das ist Teil dieser Reise zum eigenen persönlichen Wunschgewicht und Wunschleben – genießt auch das. Lernt, mehr auf Euch selbst zu hören – schielt nicht, was andere genau machen. Sport vor dem Frühstück oder intermittet fasting sind da ein gutes Beispiel, das gilt jedoch für alle Fragen, die ihr manchmal habt. Andere Menschen bringen Anregung, sie bringen keine allgemein gültigen Regeln, die man 1:1 auf sich selbst übertragen kann oder sollte. Die Anpassung ist immer wieder nötig. Was nützt es, wenn ich zum Beispiel morgens 50-75 g Protein reinknalle, von denen mir den dreiviertel Tag schlecht ist? Oder was bringt es, wenn sich jemand morgens zum Workout zwingt, der so schon kaum morgens die Augen auseinander bringt? Nichts, deshalb traut Euch, für Euch eigene Entscheidungen zu treffen.

Ich sage das schon mal vorweg, weil ich mich sehr freue auf meine “Phase 2” die ab August beginnt. Ich behandle mich da als offiziell Leptin-sensitiv und werde meinen Alltag mit intermittet fasting, richtigem echten Maximalkrafttraining an Maschinen (hab es so vermisst) und ein paar interessanten Supplements fortführen. Und mit Kälte-Anpassung. Ich werde Euch teilhaben lassen – und ich weiß, wie immer, werden sich einige verwirrt fühlen. Unbegründet, denn die Änderungen im Ernährungs- und Bewegungsprogramm müssen immer den jeweiligen gesundheitlichen Grundlagen und Zielen angepasst werden. Das sind schlechte Neuigkeiten für diejenigen, die davon träumen, ein Mal eine Ernährung zu finden, die dauerhaft funktioniert und auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Soetwas gibt es nicht. Du wirst immer in Bewegung bleiben müssen, nicht nur im Sinne der körperlichen Aktivität sondern im Sinne der geistigen Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen, Zielen und Gegebenheiten. Ich hatte das eine kurze Weile vergessen, als ich die Tabletten nahm. Ich dachte, das ändert nichts. Es änderte alles. Mit gleichem Verhalten wie immer (womit ich sonst abgenommen habe!) nahm ich in 8 Wochen 24 Kilo zu. Soetwas will niemand und das wünsche ich niemandem, den Weg zweimal gehen zu müssen. Nur weil man selbst dachte, man weiß schon alles. Lernt aus meinem Fehler, wenn ihr Lust habt 🙂

 

Viele liebe Grüße

Anne

About The Author

7 Comments

  1. Mukulele

    Sehr guter Artikel! Ich hoffe es wird jetzt wirklich mal einigen klar, dass immer mal ein Strategiewechsel sein muß und es das “funktionierende” System mit lebenslanger Schlankgarantie einfach nicht gibt.

    Antworten
  2. Petra

    Hallo Anne,

    hast Du bezüglich der Kälte-Anpassung von Dr.Kruse schon Erfahrungen gesammelt?
    Es klingt sehr interessant im Zusammenhang mit der Verbesserung der Leptin-Sensitivität und natürlich der lokalen Fettreduktion (ich dachte immer das wäre unmöglich lokal, also an “Wunsch-Stellen” Körperfett zu reduzieren), aber ich bin sooo eine Frostbeule und das klingt alles ziemlich abschreckend 😉

    Antworten
    • Anne

      Huhu Petra,

      die Kältesache hat mir absolut gar keinen Spaß gemacht und ich bin auch so ne Frostbeule, kalte Wasser bähhhh. Höchtens im Hochsommer und dann auch nicht 15 Grad. Das Gesicht kalt machen fand ich noch ganz gut, dann hab ich mich mal auf die 15 Grad Sache in der Badewanne eingelassen und hatte davon hinterher echt Schmerzen. Das hat mich “geheilt”. Ich bin mir sicher, dass an der Theorie was dran ist – ich bin mir aber für mich sicher, ich könnte das nie lebenslang durchziehen, weil mich das irgendwie abtörnt. Brrrrr so kalt. Und was ich nur ne Weile durchhalte und dann abbreche ist ja für die langfristige Figur nicht besonders sinnvoll. Deshalb hab ich das für mich unter “Shit happens” abgelegt. Im Sinne von: schöne Theorie, bestimmt tolle Wirkung aber ich kann das einfach nicht.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten
  3. Petra

    Danke Anne, ich fürchte für mich ist das auch nichts, aber der Ansatz ist schon ziemlich interessant. Google spuckt dazu einiges unter “Kryolipolyse” aus.
    Allein die Vorstellung macht mir schon Gänsehaut, ich brauche schon im normalen Schwimmbad ewig um ins Wasser zu gehen und bevorzuge das warme Rentner-Becken 😉

    Antworten
    • Anne

      LOL ich gehe auch am liebsten ins warme Rentnerbecken und hänge mit den alten Leuten vor den Rückenmassage Düsen rum. Bis ich im “Erwachsenenbecken” mal im Wasser bin, ist das Schwimmbad ja gleich wieder zu 😉

      Antworten
  4. Melissa

    Hallo Anne,

    vielen Dank für diesen tollen Bericht! Ich bin durch Zufall zuerst auf der Seite von Kruse gelandet und dann auf deiner. Ich bin ernährungstechnisch total durcheinander: Bis Ende letzten Jahres war ich 10 Jahre lang Veganerin. Durch verschiedene gesundheitliche Probleme habe ich mich entschlossen, wieder Fleisch zu essen, testweise, und kam zu Paleo.Im gleichen Zeitraum wurde eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert, die mit Hormonen behandelt wird. Seit diesem Zeitpunkt versuche ich, Gewicht zu verlieren-ohne Erfolg. Ich mache Crossfit, habe mit IF experimentiert und bin langsam am Durchdrehen, weil die Waage sich nicnt bewegt. Mein Freund dagegen hat 17 Kilo abgenommen – ohne Sport und mit der fast identischen Ernährung.
    Durch die Infos zu Leptin komme ich langsam auf den Trichter, dass es daran liegen könnte…es wäre so toll, wenn ich endlich den richtigen Ansatz gefunden hätte!

    Einige Fragen hätte ich noch an dich:
    – Welche Tabletten sind das, wovon du zugenommen hast?
    – Wie lange ziehst du das Leptinprotokoll durch?
    – Wo findet man die Infos zur Phase danach, im Buch von Kruse? Mir fällt es schwer, auf mein morgendliches Training zu verzichten und ich würde gerne wissen, wann ich gefahrlos damit beginnen kann.

    Ich bin auch noch am Hadern ob ich während des Protokolls wirklich auf Crossfit verzichten soll, ich hätte ein ultra schlechtes Gewissen dabei….
    Was meinst du, kann man das auch mit dem Kompromiss, nachmittags zu trainieren und dafür insgesamt eine längere Protokollphase einzuhalten, durchziehen? Oder laufe ich Gefahr, dass dann alles umsonst war?

    Herzliche Grüße
    Melissa

    Antworten
    • Anne

      Hallo Melissa,

      eine Leptinresistenz oder ein verschobener Setpoint durch die jahrelange Mangelernährung können für das hartnäckige nicht schwinden wollende Gewicht ebenso verantwortlich sein wie die Unterfunktion der Schilddrüse, die durchaus ihren Ursprung in Deiner vorhergehenden Ernährung haben kann. Bis die Schilddrüse mit Medikamenten eingestellt ist, kann auch etwas Zeit vergehen. Paleo ist ein guter Ansatz, Du brauchst in jedem Fall viel Geduld – in Dr. Kruses Buch findest Du die komplette Anleitung und auch für die Phase danach, also wie es weiter geht, wenn Du wieder Leptin-sensitiv bist. Nach dem Du 10 Jahre Deinen Körper strapaziert hast, solltest Du für den Reset selbst etwa 6 Monate planen, Dr. Kruse schreibt auch, dass gerade bei Frauen das Abnehmen später beginnt, erst nach 3-4 Monaten oder so. Ich würde mit dem Sport Dr. Kruses Empfehlung verfolgen, wenn er unbedingt sein muss (ich habe auch mein Krafttraining nicht unterbrochen) die Uhrzeit auf nach 17 Uhr zu legen, weil das besser für den Stresshormon Spiegel ist. Morgens ist der ohnehin schon erhöht (ganz natürlich durch Aufwachen etc.) und das führt zu einer noch stärkeren Leptinresistenz für den vormittag, was nicht erwünscht ist. Vielleicht kannst Du Dein Crossfit auf abends verlegen? Dr. Kruse empfiehlt das morgendliche Training auch nicht bei Leptin-Sensistiven Menschen sondern nennt da eine Zeit zwischen 14 und 17 Uhr.

      Wir haben dank Jobs, öffnungszeiten von Fitnesscentern etc. nicht immer Wunschkonzert und ich bin der Meinung, man muss das selbst anpassen, sobald die Umstellung erfolgt ist. Wenn Dir morgens Sport körperlich nicht gut tut, wirst Du es schnell merken weil Du wieder mehr Heißhunger bekommst, tagsüber zwischendurch müde wirst , schlechter schläfst etc. Während des eigentlichen Resets würde ich auf Frühsport verzichten, insbesondere auf leeren Magen. Danach bemerke ich keine Veränderung bisher, ich mache nicht täglich aber öfter morgens HIIT und/oder gehe zum Frühschwimmen und ich habe keine Veränderung von Appetit oder Wohlbefinden bemerkt.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Processed with Moldiv

Ich bin Anne Engel aka Bella Lamour. Ich blogge und youtube über das Abnehmen, Beauty und Bücher. 2007 habe ich mehr als 260 Kilo gewogen und habe mich seit damals mehr als halbiert! Im Netz teile ich meine Erfahrungen und versuche, anderen Abnehmverrückten bei ihrem Weg zu helfen. Unter dem Pseudonym Bella Lamour veröffentliche ich spannende und erotische Romane, die sich häufig unter den Amazon Bestsellern tummeln.

Blog sortieren

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Top Beiträge & Seiten

Powered by WishList Member - Membership Software